Der Reihe nach: Geschichte der Kieferorthopädie

Schönheit muss leiden – der Satz könnte seine Wurzeln in den Anfängen der Geschichte der Kieferorthopädie haben. Die Geschichte des Berufsstands weiß beispielsweise vom Herausbrechen der Zähne mittels Speerspitze oder Steinschlag zu erzählen, um Engstand zu regulieren. Lesen Sie hier aber auch Spannendes zur Entwicklung der Zahnspangen …

Die Kieferorthopädie in der frühen Geschichte

Zähne zu feilen oder gar herausbrechen, die Frontzähne verlängern – solche Verfahren verfolgt die Ethnozahnmedizin viele Jahrtausende zurück. Sie dienten allerdings eher rituellen Zwecken als dem Wohle des Patienten.

Um dieses kümmerten sich erst Hippokrates, der bereits 400 v. Chr. Kieferfehlstellungen beschreibt, und der 25 v. Chr. gebürtige Aulus Cornelius Celsus. Per Fingerdruck wollte er schief durchbrechende Zähne geraderichten. Auch die uralten – ursprünglich rituellen – Verfahren wurden schließlich zur Regulierung des Zahnstandes genutzt. So riet Galenos von Pergamon im zweiten Jahrhundert n. Chr. zum Abfeilen der Zähne bei Platzmangel. Und Fabricius ließ im 17. Jahrhundert Zähne extrahieren, um Engstand zu beheben.

zahn Zange

Welche Verfahren wurden angewendet?

Bald entwickelten sich auch die ersten Apparaturen, um Zahnfehlstellungen auszugleichen. Im 18. Jahrhundert beschreibt der Zahnmediziner Pierre Fauchard Zahnligaturen aus Fäden und Bändern. An Platten befestigt sollten diese Zähne, die aus der Reihe tanzten, in die korrekte Position bewegen. Ein ähnliches Verfahren entwickelte auch der Chirurg John Hunter, der Milchzähne extrahierte, um den bleibenden Zähnen auf die Sprünge zu helfen.

Schließlich führte Alexis Schangé das regulierbare Klammerband mit zahnfixierten Schrauben ein, Claude Lachaise und Elisha Tucker ergänzten elastische Gummizüge für orthodontische Belange. Auch Edward Maynard verwendete Mitte des 19. Jahrhunderts Gummizüge zur Zahnregulierung.

Die weitere Entwicklung der Kieferorthopädie

Wenig später brachte eine Erfindung des Amerikaners Edward Hartley Angle den neuzeitlichen Durchbruch der Kieferorthopädie: mit Brackets, die auf die Zähne aufgeklebt wurden. Mit dieser Edge-Wise-Technik war die moderne feste Zahnspange geboren! Noch heute wird auch die nach Angle benannte Klassifizierung von Zahnfehlstellungen verwendet.

Zahnspange Brackets

Die heutigen herausnehmbaren Zahnspangen gehen auf die sog. Crozat-Apparatur zurück. George B. Crozat ersetzte die Befestigungsbänder der damals üblichen festsitzenden Band-Bogen-Apparaturen durch die aus der Zahnprothetik bekannten Halteklammern, was das Nachstellen durch den Behandler und die Mundhygiene vereinfachte.

Viggo Andresen und Karl Häupl schließlich führten die Funktionskieferorthopädie und den Aktivator in die Therapie ein. Der Retainer wiederum geht auf Charles Hawley zurück. Seine Erfindung aus dem Jahr 1920 half, die Zähne in ihrer neuen Position zu stabilisieren. Die nächste bahnbrechende Errungenschaft auf dem Weg der Kieferorthopädie kam Mitte des 20. Jahrhunderts: Harold D. Kesling entwickelte als Behandlungsansatz die schrittweise Regulierung mithilfe transparenter Kunststoffzahnschienen, die sog. Alinger-Therapie. Heute nutzt man dabei ein spezielles grafisches Computerverfahren. Es ermittelt den Status quo des Gebisses und hält die Entwicklung in verschiedenen Kiefermodellen fest. Die Behandlung wird entsprechend in einzelnen Phasen mit individuellen Zahnschienen unterteilt, die jeweils 14 Tage getragen werden.

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