Löschen, wo’s brennt: Rauchen und Mundgesundheit

Raucher wissen, dass sie ihre Gesundheit gefährden. Doch an die Stelle, die als erste disponiert ist, denken dabei die wenigsten: an den Mund- und Rachenraum. Als Zahnarzt sind Sie dem Tatort am nächsten und können vielleicht Schlimmeres verhindern – lesen Sie hier mehr über die Zusammenhänge zwischen Rauchen und Mundgesundheit Ihrer Patienten und wie Sie ihnen bei der Rauchentwöhnung helfen können.

Welchen Einfluss hat Rauchen auf die Mundgesundheit?

Der Glimmstängel hat es nicht leicht, seit Zigarettenpackungen mit schwarzen Lungen, schreienden Babys, offenen Beinen und verkabelten Intensivpatienten verunziert sind. Doch trotz der Angst vor gesundheitlichen Folgen können viele Raucher ihrer Leidenschaft nicht abschwören. Der Worst Case Lungenkrebs scheint so weit weg …

Echter Alltag sind jedoch verfärbte Zähne und schlechter Atem. Denn Tabakrauch kommt als Erstes mit dem Mund-Rachen-Bereich in Kontakt und schädigt ihn – bis in die tieferen Gewebeschichten. Hier eine kurze Übersicht der Probleme, die das Rauchen hinsichtlich Mundgesundheit verursacht:

  • Zahnverfärbungen
  • Mundgeruch
  • verminderter Geruchs- und Geschmackssinn
  • schmerzempfindlichere Zähne
  • Karies
  • schwerer Verlauf von Parodontalerkrankungen durch verschlechterte Durchblutung im Mundraum; verminderter Behandlungserfolg
  • negativer Einfluss auf viele Therapiemöglichkeiten im Rahmen der Mundgesundheit
  • Implantatverlust
  • schlechte Wundheilung
  • Knochenabbau mit Zahnverlust
  • Präkanzerosen
  • Krebs im Mundraum, an den Lippen, der Zunge, den Speicheldrüsen

Mit dem Rauchen aufzuhören ist auch gut für die Zähne!

Klarer Fall: Weg mit dem blauen Dunst, um Zähnen und Mundbereich etwas Gutes zu tun! Die Zungenbeläge verschwinden, die Zähne verfärben sich weniger, der Atem wird wieder rein. Das Risiko von Zahn- und Implantatverlusten sinkt, wobei sich hinsichtlich der Zahnverluste auch nach zehn Jahren Nikotinabstinenz im Vergleich zu Nie-Rauchern noch keine völlige Regulierung einstellt.

Rauchen aufhören

Mit dem Rauchen aufzuhören ist besser für das Zahnfleisch!

Die schlechte Nachricht: Wer mit dem Rauchen aufhört, hat eventuell vorübergehend mit rezidivierenden Aphthen zu kämpfen. Dafür wird er aber mit vielen positiven Aspekten belohnt:

  • Die Tiefe der Zahnfleischtaschen geht zurück, ebenso der parodontale Knochenabbau.
  • Parodontalbehandlungen zeigen bei Ex-Rauchern denselben Erfolg wie bei Nichtrauchern.
  • Das Risiko für Krebserkrankungen sinkt innerhalb weniger Jahre.

Die Rettung mit dem e: Hilft die e-Zigarette den Zähnen?

Das E wie Elektro erscheint nicht nur in Sachen umweltfreundlichem Individualverkehr manchem als Rettungsanker. Ist es aber nicht. Auch die e-Zigarette ist weit von einer gesunden Alternative zum Zigarettenrauchen entfernt. Rauchen, egal ob e-Zigarette oder herkömmliche Zigarette, ist und bleibt schlecht für die Mundgesundheit Ihrer Patienten.

Das Prinzip: Durch Erhitzen verdampfen diese Geräte ein e-Liquid genanntes Gemisch aus Propylenglykol und Aromastoffen, mal mit, mal ohne Nikotin. Die schädlichen Verbrennungsprodukte der Zigarette entfallen zwar, krebserregende Stoffe sind aber dennoch enthalten.

Da es diese Produkte noch nicht so lange auf dem Markt gibt wie die klassische Zigarette, sind die Erfahrungswerte geringer. Wissenschaftliche Studien weisen jedoch darauf hin, dass das Verdampfen der e-Liquids ebenso schädlich sind für die Zähne und Mundgesundheit wie das Rauchen. Eine gesunde Alternative zum Rauchen gibt es aber trotzdem: Nichtrauchen.

Raucherentwöhnung – warum Sie als Zahnarzt eine Rolle spielen.

Aber Rauchen schadet doch der Gesundheit im Allgemeinen – ist da nicht der Hausarzt zuständig? Das ist schon richtig. Aber Sie als Zahnarzt sind viel näher dran, vielleicht auch zeitlich. Etwa bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, die jährlich stattfinden. Gerade hier ergeben sich leicht Anknüpfungspunkte, etwa die Zahnverfärbung, um Ihre Patienten darauf zu sensibilisieren, wie schlecht Rauchen auch für die Mundgesundheit ist.

Ein eigentlich so harmloser Anker bietet sich an für ein entspanntes Gespräch in angstfreier Atmosphäre. Und sichtbare Veränderungen an Zähnen oder Zahnfleisch zu demonstrieren ist viel anschaulicher als die imaginäre Drohung einer möglichen schweren Erkrankung, die der Patient nur allzu gern verdrängt.

Gespräch Zahnarzt

Wie kann die Zahnarztpraxis bei der Raucherentwöhnung helfen?

Die allgemeinen Vorteile einer Nikotinabstinenz wie Geldersparnis, Kontrolle über das eigene Leben (keine Abhängigkeit), körperliche Fitness, positives persönliches Erscheinungsbild liegen auf der Hand und sind dem Raucher meist bewusst. Sie können nur einen vagen Anstoß geben. Die Abhängigkeit ist durch solche rationalen Argumente nicht zu beeinflussen. Einen Raucher zum Aufhören zu bewegen, verlangt eine intensivere Motivation – das zu erreichen ist ein komplizierter und langwieriger Prozess.

Aber Studien haben gezeigt, dass Beratungen zur Raucherentwöhnung die effektivste Hilfe für abstinenzwillige Raucher sind. Als Zahnmediziner können Sie Ihr ganzes Team einbinden, um den Patienten zum Nachdenken über die Gewohnheit des Zigarettenrauchens anzuregen und ihm zu vermitteln, wie eng das Rauchen mit seiner Mundgesundheit in Verbindung steht. Die kommunikativen Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiterinnen lassen sich perfekt einsetzen, um Patienten bei diesem Thema unterstützend zu begleiten. Inzwischen gibt es auch ausreichend Werbe- und Informationsmaterial, das Sie Ihren Patienten aushändigen können.

Auch bieten Gesundheitsorganisationen und -ministerien Trainings und Schulungsunterlagen an, mit denen Sie sich als Zahnarzt hinsichtlich der Raucherentwöhnung Ihrer Patienten weiterbilden können. Methoden wie die motivierende Intervention nach den  5 „R“s (Relevanz, Risiko, Reize und Vorteile eines Rauchstopps, Riegel, Repetition) für nicht-aufhörwillige Raucher oder der 5 „A“s (Abfragen, Anraten, Ansprechen der Aufhörmotivation, Assistieren, Arrangieren der Nachbetreuung) für motivierte Raucher, sollten Sie ebenso kennen wie das so genannte Brief Motivational Interviewing (BMI) und Methoden der Rückfallprophylaxe.

Sie unterstützen Ihre Patienten dabei mit dem Rauchen aufzuhören und somit bei der Verbesserung Ihrer Mundgesundheit – wir unterstützen Sie bei allem rund um Ihre Praxis. Egal, ob betriebswirtschaftliche Beratung, Qualitäts- oder Honorarmanagement. Wir sind für Sie da!