Zahnarzt und Praxislabor – eine vielversprechende Liaison?

Zahnersatz im Praxislabor herzustellen, scheint vielen Zahnärzten nicht nur betriebswirtschaftlich eine Überlegung wert zu sein. Demgegenüber steht die Vergabe an gewerbliche Dentallabore. Ist Eigenproduktion besser und lohnender als Outsourcing? Dieser Beitrag soll Sie bei der Abwägung unterstützen …

Grundsätzliche Erwägung für jeden Zahnarzt: Dentallabor oder Praxislabor?

Dem einen stellt sich die Frage bei der Praxisgründung, dem anderen im Laufe seines Berufslebens: Soll ich als Zahnarzt ein Praxislabor betreiben oder meine Prothetik einem Dentallabor überlassen? Möglich ist beides.

Zahnarzt Zimmer

Doch was ist der Unterschied zwischen Praxis- und Dentallabor?

Ein Praxislabor ist ein Zahnlabor, das vom Zahnarzt in eigener Praxis betrieben wird. Die Berufsordnung der Zahnärzte erlaubt das ausdrücklich, da das Erbringen zahntechnischer Leistungen zum Berufsbild des Zahnarztes gehört. Das Praxislabor ist als Teil der freiberuflichen zahnärztlichen Tätigkeit von den Regelungen der Handwerksordnung ausgenommen und nicht gewerbesteuerpflichtig. Es sollte nur in angemessener räumlicher Entfernung zur Praxis liegen.

Das gewerbliche Zahntechnikerlabor wird dagegen als Dentallabor bezeichnet. Es unterliegt der Handwerksordnung, aus der sich eine Meisterpflicht ergibt. Meist ist es der Inhaber, der die Meisterbefähigung besitzt. Diese Betriebe sind in der Regel als Fremdlabor im Rahmen eines Werkvertrags für verschiedene Zahnärzte tätig.

Das eigene Zahntechnik-Labor – Welche Formen gibt es?

Ein Praxislabor wird vom Zahnarzt selbst geführt. Er stellt dazu in der Regel Zahntechniker an, die nur für seine Praxis arbeiten. Diese Form des einzelgeführten Praxislabors ist allerdings selten.

Häufiger kommt es vor, dass mehrere Zahnärzte ein Praxislabor gemeinsam betreiben, die Zahntechniker also für die beteiligten Praxen – und nur für diese! – arbeiten. Es handelt sich dann um eine Praxislaborgemeinschaft oder der Laborbetrieb läuft im Rahmen einer Berufsausübungsgemeinschaft. Auch ein gemeinschaftliches Labor muss in angemessener räumlicher Entfernung zu allen beteiligten Zahnarztpraxen verortet sein. Raum-, Material- und Gerätekosten werden unter den Praxen aufgeteilt.

Grundsätzlich gilt hinsichtlich des Betreibers: Ein „meistergeführtes Praxislabor“ gibt es nicht! Das schließt sich insofern aus, als es sich beim Praxislabor um einen zahnärztlichen Hilfsbetrieb handelt und nicht um ein Gewerbe.

Zahntechnisches Labor in Eigenregie – was sind die Vor- und Nachteile?

Jeder Zahnarzt sollte die Vor- und Nachteile eines Praxislabors gut abwägen – keine leichte Entscheidung.

Die Vorteile des zahnärztlichen Praxislabors

So lässt sich ein Praxislabor unter dem werblichen Aspekt positiv nutzen:

  • Die Praxis bietet beim Zahnersatz kontrollierte Qualität. Der Patient hat die Gewissheit, keinen Billig-Zahnersatz aus dem Ausland befürchten zu müssen.
  • Die direkte Kooperation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker bringt Patientenvorteile mit sich, etwa bei der Abstimmung der Zahnfarbe direkt mit dem zahntechnischen Experten, unkomplizierte Einproben zwischendurch, schnelle Anfertigung von Provisorien …

Und tatsächlich haben Sie als Zahnarzt die Qualität des Zahnersatzes im eigenen Labor viel eher in der Hand. Sie wählen die Mitarbeiter selbst aus, Sie bestimmen die verwendeten Materialen, Sie wissen aufgrund Ihrer universitären Ausbildung und beruflichen Alltagserfahrung, worauf es beim Zahnersatz wirklich ankommt.

Die Nachteile des zahnärztlichen Praxislabors

Trotz seiner hochqualifizierten Ausbildung muss sich der Zahnarzt bewusst sein, dass Mediziner und Zahntechniker zwei unterschiedliche Berufe sind. Er haftet zwar einerseits für die Arbeit, die er dem Patienten einsetzt, muss sich aber andererseits auf die Fähigkeiten seines zahntechnischen Fachangestellten verlassen – vielleicht in einem Bereich, in dem dieser kompetenter und erfahrener ist als er selbst.

Weitere Nachteile sind:

  • Mit einem zahntechnischen Labor betreibt der Zahnarzt eine weitere Unternehmung, die neben seiner Praxis Investitionen erfordert. Die Rentabilität will gut abgewogen sein.
  • Er übernimmt die Verantwortung für weitere Mitarbeiter inkl. Personalfluktuation, Personalverwaltung etc.
  • Um die laufenden Arbeiten wirklich im Blick zu behalten, muss das Labor in die Praxis integriert sein oder der Zahnarzt muss zusätzliche Wegezeit in Kauf nehmen.
  • Um sich auf dem aktuellen Stand zu halten, sind zusätzliche Fortbildungen erforderlich.
  • Letztendlich resultiert aus einem Praxislabor eine zusätzliche Arbeitsbelastung.
Dental Labor

Im Fokus der Kritik: Zahnarzt mit eigenem Dentallabor

Natürlich sehen Betreiber gewerblicher Dentallabore das zahnärztliche Praxislabor kritisch. So hat der Arbeitgeberverband Zahntechnik vor Jahren ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu klären, ob zahnärztliche Praxislabore rechtlich zulässig sind. Die Gutachter Plagemann und Detterbeck weisen darauf hin, dass Bundesverwaltungsgericht und Bundesgerichtshof das zahnärztliche Praxislabor als Teil der freiberuflichen Tätigkeit anerkennen.

Die Dentallabore sehen in erster Linie eine Wettbewerbsverzerrung, da sie selbst der Handwerksordnung und Meisterpflicht unterliegen und in diesem Rahmen auch Gewerbesteuer zahlen, die konkurrierenden Praxislabore jedoch nicht.

Einer der Hauptkritikpunkte ist jedoch, dass das Eigenlabor eines Zahnarztes weniger objektiv und kundenorientiert arbeite als ein Fremdlabor. Kunde des Dentallabors sei der Zahnarzt, ihn als Experten gelte es zufriedenzustellen, eine große Herausforderung. Kunde des zahnärztlichen Praxislabors sei der Patient als Laie (und Rechnungsempfänger), die Kontrollexpertise fehle hier also. Das ist nachvollziehbar, denn der Zahnarzt ist im Praxislabor Auftraggeber und Auftragnehmer zugleich.

Ist das Outsourcing zahntechnischer Leistungen also sinnvoll?

Alles eine Frage der Rentabilität. Schließlich sind die Gewinnmargen einer Zahnarztpraxis gewöhnlich höher als die eines Dentallabors – ist es also unter dem monetären Aspekt nicht sinnvoller, die zahntechnische Leistung outzusourcen? Und sein Kapital lieber in einen zusätzlichen Prophylaxeraum samt zugehörigem Personal zu investieren?

Zu bedenken ist zudem, dass der technische Fortschritt und die digitale Transformation vor der prothetischen Leistung nicht haltmachen. Um Patienten aber die gewünschte Qualität bieten zu können, muss das Praxislabor mit den spezialisierten Dentallaboren mithalten können. Das erfordert persönlichen Einsatz und Investitionen.

Komplexe Fragestellungen, die einer eingehenden individuellen Betrachtung und Abwägung bedürfen …

Zu vielen Fragestellungen, die Sie bewegen, reicht es sicher nicht aus, einen Steuerberater zu fragen. Da steckt viel mehr dahinter, das nur Experten in Ihrem Fachgebiet wirklich abwägen können. Verlassen Sie sich in Zweifelsfällen auf unsere Betriebswirtschaftliche Beratung.